Deutschland hält 1,8 Prozent des Weltgoldes - Gold macht 70 Prozent der Devisenreserven Deutschlands

Tresorraum der Bundesbank. Quelle Bundesbank
Tresorraum der Bundesbank. Quelle Bundesbank

Im April 2018

 

Gold bleibt der Standard für Deutsche
Eine Ausstellung der Bundesbank würdigt die tiefe Liebe der Deutschen zum Edelmetall und würdigt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Nachkriegszeit.


Echos der mythischen Nibelungen und ihres versunkenen Schatzes gibt es in der Ausstellung zur Golderöffnung in der deutschen Zentralbank in dieser Woche. Schon der Titel des Buches zur Ausstellung - "Das Gold der Deutschen" - erinnert an eine jahrhundertealte Hingabe an das gelbe Metall.


Richard Wagners Opernzyklus über den Schatz der Nibelungen zeugt von der Beharrlichkeit des Goldes in der deutschen Phantasie. Aber es erklärt kaum, warum die heutige Bundesrepublik den zweitgrößten Goldschatz der Welt hat und nur hinter dem der Vereinigten Staaten liegt, die die Hauptreservewährung der Welt verwalten.

 

Sie erklärt auch nicht, warum die Bundesbank erst 2012 beschlossen hat, fast 700 Tonnen ihrer Goldreserven im Ausland zu repatriieren und damit die Hälfte der insgesamt 3.400 Tonnen Goldreserven in ihren eigenen Tresoren zu lagern.


Im Rahmen der umstrittenen Rückführung wurden rund 90 Tonnen von Frankreich nach Frankfurt transportiert. Da eine der Funktionen der Goldreserven darin besteht, Devisen zu kaufen, ist es sinnvoll, noch 37 Prozent der Reserven bei der New Yorker Federal Reserve Bank und 13 Prozent bei der Bank of England zu haben. Aber es machte keinen Sinn mehr, Gold bei der Banque de France zu lassen, weil Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Währung, den Euro, haben.

 

Gold macht 70 Prozent der deutschen Devisenreserven aus.
Deutschland hatte nach dem Zweiten Weltkrieg kein einziges Gramm Gold. Sie kumulierte das Gold, indem sie Zahlungsüberschüsse bewirtschaftete und Gold für die Überschüsse entgegennahm, wie es das Bretton-Woods-Übereinkommen über den globalen Devisenhandel und die Europäische Zahlungsunion vorsahen.


Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele prahlte inzwischen vor der Messe, Deutschland hält 1,8 Prozent des Weltgoldes. Gold macht 70 Prozent der Devisenreserven des Landes aus, gegenüber nur 2 Prozent für China und 6 Prozent für die Schweiz.


Diese Liebe zum Gold geht der Hyperinflation der Weimarer Jahre voraus, die die Skepsis gegenüber Papiergeld auf traumatische Weise verstärkte. Es ist ein Stück mit der Vorliebe, Bargeld statt Plastik für den täglichen Einkauf zu verwenden, und mit einer vorherrschenden neoliberalen - oder besser gesagt "ordoliberalen" - Ideologie in der Ökonomie.

 

Wenn es um die Wirtschaft geht, sind die Deutschen sehr konservativ, wenn nicht gar reaktionär.


Heute führen Zahlungsüberschüsse zur Anhäufung von Währungsreserven, so dass beispielsweise China über massive Dollarreserven aus den Jahren des Überschusses mit den Vereinigten Staaten verfügt. Innerhalb der Eurozone werden Zahlungsüberschüsse und -Defizite jedoch in Ziel-2-Salden gemessen, die sich auf den Bruttoabwicklungsprozess innerhalb des Eurosystems der Zentralbanken beziehen. Auch diese unterliegen auf deutscher Seite einer erheblichen Skepsis. Wie hoch ist schließlich der Wert einer Ziel-2-Forderung gegen Verbindlichkeiten in Griechenland, wenn dieses Land die Eurozone verlässt und Konkurs anmeldet?


Goldbarren scheinen viel greifbarer zu sein. Umso mehr, wenn diese Goldbarren in Ihren eigenen Tresoren gestapelt sind. Das war offenbar der Gedanke bei der Bundesbank im Jahr 2012, als der Bundesrechnungshof den Bankbeamten sagte, sie müssten stichprobenartig prüfen, ob es tatsächlich Goldreserven im Ausland gibt. Die deutsche Zentralbank nahm den Hinweis auf und begann, Tonnen der Reserven in ihre Tresore zu transportieren.


Darüber hinaus hat sich die Bundesbank bemüht, mehr über ihre Goldreserven und deren Lagerung zu erfahren. Die neue Ausstellung ist Teil dieser Öffentlichkeitsarbeit. Er markiert Herrn Thieles Abschied, wenn er Ende des Monats zurücktritt, um der deutschen Öffentlichkeit zu versichern, dass ihr Gold sicher und gesund ist.

Global Handelsblatt